Stolpersteine Ulm
Stolpersteine Ulm

HEDWIG NEUBURGER
GEB. DREIFUSS
JG. 1867
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 15.4.1943

HELENE HIRSCH
GEB. NEUBURGER
JG. 1887
FLUCHT 1938
USA

OTTO HIRSCH
JG. 1877
FLUCHT 1938
USA

LISA HIRSCH
JG. 1911
FLUCHT 1938
USA

EDITH HIRSCH
JG. 1917
FLUCHT 1938
FRANKREICH

Familie Neuburger / Hirsch

Hedwig Neuburger, geb. Dreifuss, wurde am 07.03.1867 in Bad Buchau geboren. Ihre Eltern waren Lehmann und Mathilde Dreifuss. Hedwig wurde als drittes von vier Kindern geboren (1).

Am 23.11.1886 heiratete sie den zwölf Jahre älteren Kaufmann Ferdinand Neuburger, der auch in Bad Buchau aufgewachsen war. Er ging aber mit Hedwig nicht nach Ulm, wie seine Brüder Ludwig und Jakob (siehe Biografie Familie Neuburger), sondern nach München. Dort lebte die Familie für viele Jahre, Hedwig sogar 34 Jahre. Gemeldet waren sie in der Löwengrube 1, auf dem Rindermarkt und in der Sendlinger Straße (2). Im Jahre 1885 wurde der Sohn Hugo geboren, am 01.08.1887 die Tochter Helene. Ferdinand Neuburger starb schon 1908 in München mit 53 Jahren.

Der Sohn, Unteroffizier Hugo Neuburger fiel im ersten Weltkrieg (3).

Die Tochter Helene Neuburger heiratete im Jahr 1910 den 33-jährigen Otto Hirsch aus Ulm. Er war schon Prokurist in der Ulmer Firma seines Vaters, ein Großhandelsbetrieb in der Textilwirtschaft. Sie bekamen 2 Kinder: Lisa, geb. am 25.06.1911 und Edith, geb. am 09.05.1917 (4). Anfänglich teilten Sie ein Stockwerk in der Bahnhofstraße 18 in Ulm mit Ottos Eltern. Dort war auch die Firma unterbracht, nebenan war das Geburtshaus Albert Einsteins. Nach der Geburt der ersten Tochter bezogen sie aber eine gute Wohnung in dem Eckhaus an der Keplerstraße 31 und Karlstraße mit Erkerfenstern und Türmchen. Im Jahr 1921 verließ auch Helenes Mutter Hedwig München und zog nach Ulmin die Heimstraße. Ab 1934 wohnte sie in der Keplerstraße 31 bei ihrer Tochter und Familie (5).

Lisa und Edith gingen in die Mädchenschule in Ulm. Danach besuchte Lisa Handelsschulen in Genf, London und Ulm und arbeitete anschließend bis 1936 für eine Firma in Stuttgart. Edith machte eine Ausbildung zur Säuglingsschwester (6). 1937 fiel die Entscheidung der Familie für die Emigration. Die Firma wurde liquidiert und im gleichen Jahr kam Lisa in New York an, gefolgt von ihrer Schwester Edith zwei Jahre später (eine Woche vor Kriegsausbruch und deswegen über Le Havre in Frankreich statt wie geplant Hamburg). Der Flucht ihrer Eltern brauchte eine längere Vorbereitung: am 2. Juli 1941 reisten sie schließlich mit dem Zug nach München und konnten nach Lissabon im neutralen Portugal fliegen. Von dort aus brachte sie dann die „Nyassa“ zu ihren Töchtern in den USA reisen (9).

Bis zu ihrer Ausreise durften Helene und Otto Hirsch, mit Zustimmung der zuständigen Behörden, in der Keplerstraße 31 wohnen bleiben. Sie mussten nicht in ein Judenhaus umziehen, da die Eigentümerin des Hauses die Schweizer Staatsangehörige Johanna Gairing aus Kreuzlingen war. Für ausländische Eigentümer galt das am 30.04.1939 erlassene „Gesetz über Mietverhältnisse von Juden“ nicht. Helene und Otto Hirsch nahmen bis zu ihrer Ausreise die Geschwister Hugo und Emma Stern in ihrer Wohnung auf (9).

Großmutter Hedwig Neuburger musste am 02.11.1939 in das jüdische Zwangsaltersheim Herrlingen umziehen, von dort aus am 25.06.1942, zusammen mit ihrer Schwägerin Bertha Neuburger, in das Zwangsaltersheim nach Oberstotzingen. Über Stuttgart wurden die beiden dann am 22.08.1942 in das Theresienstadter Ghetto deportiert und Hedwig dort am 15.04.1943 ermordet (7). Jahre später schrieb ihre Tochter Helene: „Schweren Herzens, doch im Glauben, sie sei dort gesichert, liess [ich] meine Mutter im AltersheimHerrlingen zurück und es war ein harter Schlag als wir einige Monate später von der Deportation nach Theresienstadt erfuhren und dann bis zur Todesnachricht nichts mehr von ihr hörten“ (10).

Otto und Edith mussten in den USA in Fabriken arbeiten. Lisa heiratete 1942 Herbert Honig und arbeitete danach in diversen Stellen bis sie Sekretärin der Geldgeber beim United Jewish Appeal of Greater New York wurde. Helene starb 1982 im Jewish Home and Hospital for the Aged in der Bronx.6 Otto war schon 1967 verstorben. Edith starb in New York 2002 und Lisa 2007 (8).

Quellen

1) Ingo Bergmann, Und erinnere dich immer an mich, Gedenkbuch für die Ulmer Opfer des Holocaust, Ulm2009

2) Adressbücher München

3) www.ancestry.de

4) www.geni.com

5) Adressbücher Ulm/Neu-Ulm

6) Stadtarchiv Ulm:“Zeugnisse zur Geschichte der Juden in Ulm“, S. 62.

7) Bergmann, Ulm (wie Anmerkung 1)

8) Schriftliche Auskunft Dr. Karen Carlson

9) Stadtarchiv Ulm, Nachlass Heinz Keil

Autor*in(nen): Mark Tritsch